Gesichter der Armut - zwei Beispiele

Expresso das Ilhas, 14.10.2007 - Die letzten Zahlen des Nationalen Institutes für Statistik wurden zwischen 2001 und 2002 erhoben und besagen, dass etwa 173 000 Menschen in Cabo Verde unter der Armutsgrenze leben. Minha und Zizi sind zwei Beispiele von der schwarzen Liste des Elends. Beide sind von der Armut gezeichnet, haben ihre speziellen Schwierigkeiten und Leiden und sind weibliche Familienoberhäupter.

Maria Helena Varela, 30 Jahre und Mutter von sechs Kindern, von denen sich nur eines nicht in ihrer Obhut befindet, träumt von einem eigenen Dach über dem Kopf, unter dem sie die verbleibenden fünf aufziehen kann. In dem kleinen Raum eines Mietshauses gibt es nur ein einziges Bett und während der Nacht wird jeder Millimeter ausgenutzt. “Im Liegen klebt einer an dem anderen” erzählt Minha, wie sie genannt wird und schränkt dann ein: “Wenn es sehr warm ist, legen wir die Matratze auf die Straße, damit einige dort schlafen können”. Jede Nacht, die sie bis zum Morgengrauen unter freiem Himmel verbringen, ist dem Vergessen gewidmet.

Minha hat in ihrer Jugend nicht wie die anderen Straßenkinder gelebt. Mit nur 14 Jahren wurde sie bereits Mutter und erzählt, seit dieser Zeit habe sie Brot gegessen, dass “der Teufel zusammengeknetet hat”. Sie berichtet, dass es damals oft drei Abende in Folge nichts zu essen gab und dass sie auf die Hilfe der Nachbarschaft und ihrer Großmutter Justina Moreira angewiesen war, die ihr erstes Kind aufgenommen hat und ihre Zufluchtstätte in Zeiten der Not war.

An dem Tag, an dem dieses Interview stattfand, hatte die junge Mutter nicht einmal 10 Escudos um Kerzen für die Nacht zu kaufen. Außerdem macht sich Minha in dieser Unterkunft ohne Wasser und Licht große Sorgen darüber, dass die Besitzerin des Hauses dieses wieder zum Verkauf anbieten will. Verzweifelt beklagt sie ihr großes Pech, denn sie wohnt erst seit sechs Monaten hier, nachdem ihr altes Haus in Tira-Chapeu geräumt worden war.

Was die drei Männer ihrer Kinder angeht, so unterstützt sie einer bei den Ausgaben für die Unterkunft, wenn er einen Gelegenheitsjob findet. Sie selbst kann zur Zeit nicht arbeiten, weil sie seit einigen Tagen wieder ein Baby hat. Davor arbeitete sie als Haushaltshilfe, wenn sich eine Gelegenheit bot. Ihre 3-jährige Tochter Zimaira ist wegen der schlechten Ernährung immer kränklich. Auch die Mutter selbst hat dies Problem. Sie berichtet, die Ärzte hätten es abelehnt, einen Kropf in ihrem Hals zu operieren, da sie “zu schwach und schlecht ernährt” sei.

Während unseres Gesprächs mit Minha sagt die 8-jährige Tochter Samila immer wieder “Ich will zur Schule gehen”. Wir erfahren, dass das Mädchen noch niemals zur Schule gegangen  und auch nicht registriert ist. Auf die Gründe angesprochen, antwortet die Mutter, sie habe nicht das Geld für die Registrierung. Das gleiche gilt auch für das Neugeborene. Dies zeigt, das die Kampagne “Registriert die Geburten” immer noch Schwachstellen hat. Für Samila bedeutet das, dass es Probleme bei der Einschreibung ins Schulregister gibt. Minha verspricht aber, sich darum zu kümmern. Samila, die gerade das Zentrum für Kinder in Not durchlaufen hat ohne dabei zur Schule zu gehen, weiß allerdings schon genau, was sie als Erwachsene werden möchte: Ärztin

Isabel Rocha, genannt Zizi,  hat sieben Kinder, von denen fünf in ihrer Obhut sind. Der Älteste ist 23 Jahre, der jüngste 16 Monate. Die Familie wohnt seit 15 Jahren unter schlechtesten Bedingungen in einer Baracke. Es fehlt fast alles. Das einzige Bett muss für vier reichen, dann noch ein Sofa und eine eiserne Wiege für das Kleinste. In einem Bereich ohne Sanitäreinrichtungen, in dem während der Nacht jede Notdurft innerhalb des einzigen Raumes verrichtet werden muss, ist die Gesundheit ständig bedroht.

Laut Zizi ist die Situation auch der Stadtverwaltung bekannt und Bürgermeister Felisberto Vieira hat Hilfe versprochen, aber bislang ist noch nichts passiert. Aber der Traum von einem Dach aus Beton, um den Regen abzuhalten, bleibt.

Auch als sie gesund war, war es sehr schwierig, Arbeit zu finden, da sie keine Ausbildung hat, aber seit sie Anfang des Jahres eine Meningitis bekommen hat und zwei Monate im Krankenhaus war, hat sich die Situation noch verschlechtert. Zur Zeit fühlt sie sich noch nicht im Stande, wieder zu arbeiten. Solange dies so ist, ist Zizi auf die Zuwendungen der Nachbarn angewiesen und ab und zu auf die Hilfe der beiden ältesten Söhne, die beide Maurer sind, aber keine Beschäftigung haben.