Maria Amelia wirft das Handtuch

Sao Filipe, 6.11.2007 - Zehn Monate, nachdem sie die neuen Räumlichkeiten direkt am städtischen Markt bezogen hat, zieht die Gastronomin Maria Amelia angesichts unüberwindlicher Schwierigkeiten die Notbremse.

Im Januar dieses Jahres hatte Maria Amelia ihr kleines Restaurant unterhalb des Marktes verlassen und war in das Haus “Verdiana” umgezogen, das neben Bar und Restaurant auch einen Pensionsbetrieb mit 14 Zimmern bot. Auch wenn der Pensionsbetrieb große Mängel aufwies - z.T. sehr kleine Räume mit veralteten oder defekten Sanitäreinrichtungen - so war das Angebot doch verlockend, denn Bar und Restaurant waren gut ausgestattet und die Lage im Stadtzentrum optimal. Und in der Hoffnung, der Eigentümer, der seinen Hauptwohnsitz in USA hat, würde einen Teil der hohen Pachtsumme in Renovierungsmaßnahmen investieren, war der Entschluß schnell gefaßt.

Bar- und Restaurantbetrieb entwickelten sich in der Folgezeit - nicht zuletzt wegen der stadtbekannten Persönlichkeit Maria Amelias - prächtig, Touristengruppen und Livemusik belebten die Abende und das “Maria Amelia” entwickelte sich schnell zu einem beliebten Treffpunkt, an dem Einheimische, Musiker, Emigranten und Besucher aus Europa zwanglos miteinander in Kontakt kamen.

Aber die Schwierigkeiten entwickelten sich auch: der Pensionsbetrieb lief überhaupt nicht und es stellte sich schnell heraus, dass der Eigentümer nicht bereit war, in eine Renovierung der Zimmer zu investieren. Auch eine Teilverpachtung des Restaurantes an Maria Amelia lehnte er ab. Dazu kamen enorm hohe Kosten für Strom und Wasser. So wurden die Gewinne aus dem Restaurant weitgehend wieder aufgezehrt.

“Man schuftet wie ein Sklave 7 Tage in der Woche, kriegt immer wieder Steine in den Weg gelegt und verdient kaum etwas. Und auch die Stadtverwaltung kommt mit immer neuen Auflagen und hat bislang noch keine Lizenz erteilt, ich arbeite hier im Grunde illegal und dann reicht es irgendwann”, schimpft Maria Amelia.

Am 3. November hat sie die Pforten geschlossen und will sich erst einmal von den Strapazen erholen. Konkrete Zukunftspläne gibt es noch keine. Nach Amerika zu ihrem Mann auswandern ist eine Möglichkeit, aber “Fogo mit seinen Menschen ist so ein wunderschöner Platz, dass ich es mir eigentlich nicht vorstellen kann, das alles aufzugeben.”

Mike Goike